Unter Föderalismus versteht man eine Staatsordnung oder ein Organisationsprinzip, bei welchem einzelnen Elementen innerhalb des Systems, des Staats oder der Organisation eine gewisse Autonomität gewährt wird. In aller Regel bezieht sich der Begriff Föderalismus auf föderalistische Staaten, in denen die Verfassung einzelnen Ländern, in Deutschland und Österreich Bundesländer genannt, in bestimmten Bereichen eine gewisse Autonomie und Gestaltungsfreiheit zuspricht. Ca. ein Viertel aller Staaten der Erde sind föderalistisch organisiert. In Europa trifft dies dabei lediglich auf einige wenige Länder zu.

Der Bildungsföderalismus beschreibt dementsprechend die Autonomie der einzelnen Länder in Bildungsfragen gegenüber dem Bund, also des generell übergeordneten Organisationselements. In Deutschland ist Bildung daher Ländersache. Daher gibt es hierzulande ganze 16 verschiedene Bildungssysteme. Oberflächlich gesehen unterscheiden diese sich zwar nicht sonderlich, jedoch machen bei der Bildung bereits kleine Details große Unterschiede aus. Anders ist beispielsweise das teilweise enorm unterschiedliche Abschneiden der einzelnen Länder bei den seit 2001 durchgeführten PISA-Studien nicht zu erklären. Denn tatsächlich gibt es in Deutschland ein doch recht eindeutiges Nord-Süd-Gefälle was die Qualität der Bildung anbelangt.

Bildungschaos?

Besonders seit dem schlechten Gesamtabschneiden Deutschlands bei den PISA-Tests rückt der Bildungsföderalismus immer weiter in den Vordergrund. Der durch die schlechten Ergebnisse ausgelöste Reformwille in Bildungssachen spielt hierbei eine große Rolle. So steht in manchen Ländern, wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen, gar das dreigliedrige Schulsystem bestehend aus Haupt- und Realschule sowie Gymnasium auf der Kippe und soll nach dem Willen starker politischer Parteien komplett durch die Einführung einer Gemeinschaftsschule ersetzt werden. Dahingegen erscheinen Reformen in dieser Richtung in Bayern zum Beispiel derzeit fast undenkbar, schneidet der Freistaat bei Erhebungen der Qualität der Bildung doch stets vergleichsweise gut ab. Besonders also durch die teils erheblichen Unterschiede der einzelnen Bundesländer in Sachen Bildung und den dadurch in Gang gekommen Reformeifer droht der Bildungsföderalismus für ein absolutes Bildungschaos zu sorgen. Das jeweils vorherrschende Bildungssystem eines Bundeslandes droht zu einem weiteren Standortfaktor für den Zuzug vor allem von jungen Familien zu werden und mittel- bis langfristig auch wirtschaftliche Auswirkungen zu haben, welche die Wettbewerbsgleichheit der einzelnen Bundesländer weiter verschlechtert.

Wie jede komplizierte Organisationsstruktur verzehrt auch der Bildungsföderalismus Unmengen an Geldern. In jedem Bundesland wird ein Bildungsministerium unterhalten, welches seinerseits tausende Mitarbeiter beschäftigt und damit einen enorm hohen Kostenfaktor für den Steuerzahler darstellt. Nicht zuletzt deswegen iwird der Bildungsföderalismus häufig kritisiert.

Bildungssysteme

Befürwortet wird der Bildungsföderalismus vor allem von denjenigen, die in ihrer Argumentation einer marktwirtschaftlichen Logik folgen. Ihrer Meinung nach trägt gerade der Bildungsföderalismus zur hohen Qualität des Bildungsstandorts bei, da die einzelnen Bundesländer in Bildungsfragen in einem Wettbewerb miteinander stehen. Nach marktwirtschaftlichem Duktus müsse sich daher das bundesweit beste Bildungssystem durchsetzen. Dass die einzelnen Länder sowohl von ihrer wirtschaftlichen als auch sozialen Struktur jedoch stark unterschiedlich sind, wird hierbei schnell vergessen.

Letztlich stehen dem Bildungsföderalismus eine Menge Staaten gegenüber, die ihre Bildung zentral organisieren und dabei aber ebenso erfolgreich oder gar erfolgreicher sind als die Bundesrepublik. Die Frage stellt sich also, ob nicht allein schon das Argument der höheren Kosten des Bildungsföderalismus ein guter Grund für die Abschaffung der dezentral organisierten Bildung ist, wenn zentral organisierte Länder mit deutlich weniger Kosten und Aufwand mindestens das gleiche Ergebnis erzielen können.

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