Das deutsche dreigliedrige Schulsystem ist nicht zuletzt seit den Ergebnissen der PISA-Studien der vergangenen Jahre umstritten. Während zahlreiche andere erfolgreiche Industriestaaten schon seit Jahren auf eine Gemeinschaftsschule setzen, hält sich das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland seit Jahren hartnäckig und hat dementsprechend viele Befürworter. Dennoch ist die Kritik am dreigliedrigen System beständig und weiß auch mit guten Argumenten aufzuwarten.

Man kann hierbei den Eindruck bekommen, dass die Befürworter der beiden Systeme lediglich einen ideologischen Krieg führen, doch wo liegen wirklich die Vor- und Nachteile des dreigliedrigen Systems und ist es auch weiterhin in der Lage, den Bildungsstandort Deutschland auf den vorderen Plätzen zu vertreten?

Drei Schulformen in eine Gemeinschaftsschule

Beim dreigliedrigen Schulsystem werden die Schüler nach der gemeinsamen Grundschulzeit von, in den meisten deutschen Bundesländern, vier Jahren auf drei verschiedene Schulformen verteilt. Diese sind, nicht wie es vielleicht näher läge, nach Disziplinen und inhaltlichen Akzenten gestafelt, sondern gliedern sich in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf. Bereits hier sehen einige Gegner des dreigeteilten Systems eine Diskriminierung leistungsschwächerer Schüler und Schülerinnen, welche es durch die Bündelung der drei Schulformen in eine Gemeinschaftsschule abzuschaffen gilt. Für das dreigliedrige System spricht jedoch, dass nach der relativ kurzen Grundschulzeit von vier Jahren nun einmal nicht alle Schüler auf einem gleichen Leistungsniveau sind. Um die jeweiligen Stärken und Schwächen der Schüler gezielt fördern zu können, so die Befürworter der Trennung, müsse es daher eine solche Hierarchie der Schulform geben. Langsamere und leistungsschwächere Schüler könnten sonst die Förderung von Talent behindern und das gesamte Schulsystem begabten Schülern nicht mehr gerecht werden. Bezug genommen wird hierbei vor allem auf das Gymnasium als leistungsstärkste der drei deutschen Schulformen, welches von Anbeginn an, also bereits ab der fünften Klasse, auf die allgemeine Hochschulreife und somit auf eine Akademiker-Laufbahn vorbereitet. Gleichwohl kann jedoch auch das Gymnasium nach der zehnten Klasse mit dem Abschluss der mittleren Reife verlassen werden, was aufgrund der fehlenden Hochschulreife vor allem zum Zweck einer betrieblichen Ausbildung geschieht. Die Realschule als mittlere Schulform sieht ihre Kernkompetenz genau hierin und endet dementsprechend bereits nach der zehnten Klasse. Generell gibt sich das dreigliedrige Schulsystem jedoch sehr durchlässig, sodass der Wechsel von einer Schulform auf die andere theoretisch jederzeit möglich ist und somit von jedem Schüler praktisch auch jeder Abschluss anvisiert werden kann. Allerdings gestaltet sich dies in den meisten Fällen als eher schwierig dar, da die Programme der verschiedenen Schulformen doch recht unterschiedlich sind und ein Übergang von der Realschule auf das Gymnasium zum Beispiel einen enorm hohen Arbeitsaufwand erfordert, welchem die meisten Jugendlichen nicht gewachsen sind.

Genau hier setzt daher auch wieder die Kritik am selektiven System an, welches in den Augen der Gegner schlicht zu undurchlässig ist und die Kinder daher bereits im Alter von 10 oder 11 Jahren in ihrer beruflichen Laufbahn vorbestimmt, ohne ihnen ausreichende Aufstiegschancen zu gewährleisten. Tatsächlich ist das dreigliedrige Schulsystem durchlässig. Dies aber leider nur von oben nach unten, also beispielsweise vom Gymnasium zur Real- oder Hauptschule. Wenn man sich vor Augen führt, dass ein Hauptschulabschluss heutzutage beruflich praktisch zu nichts mehr führt und schlicht ein Freifahrtschein in die Arbeitslosigkeit darstellt, dann erscheint die Kritik am dreigliedrigen System doch mehr als gerechtfertigt. Ob dagegen eine Gemeinschaftsschule die bessere Lösung ist, bleibt dennoch fraglich.

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