Seit 2001 weckt der Begriff Pisa nicht mehr ausschließlich Urlaubsassoziationen, sondern ist scheinbar untrennbar mit dem Verfall Deutschlands als Wissensstandort verknüpft. Schuld ist wahlweise die OECD, also das durchführende Organ des PISA-Tests, das die von vielen als katastrophal beschriebenen Ergebnisse zutage brachte, oder schlicht die deutsche Bildungspolitik. Tatsächlich aber ist die sogenannte PISA-Studie ein ernst zu nehmendes Instrument, um die Qualität der Bildung in verschiedenen Staaten zu messen und damit auf Missstände in diesem Bereich hinzuweisen.
Ins Leben gerufen wurde der PISA-Test durch die OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, einem Staatenverbund mit 34 Mitgliedern, welcher sich hauptsächlich aus Industrienationen und Schwellenländern zusammensetzt. Dementsprechend wird durch die PISA-Studie also vor allem das Bildungsniveau von wirtschaftlich und entwicklungspolitisch gleichwertigen Staaten untersucht, um somit Anreize für Verbesserungen zu schaffen. So gesehn ist die OECD eine diplomatische Lobby für die Beibehaltung des derzeit vorherrschenden globalen wirtschaftlichen Kräfteverhältnisses, welches sich den PISA-Test zunutze macht, um eben diesen Status Quo des wirtschaftlichen Gewichts beizubehalten.
Untersuchung
Konkret untersucht der PISA-Test die Leistung von Schülern eines selben Alters, wahlweise auf nationaler Ebene oder, im Falle von föderalistischen Staaten, auch auf Ebene der verschiedenen Länder oder Kantone. Dabei sind die getesteten Schüler 15 Jahre alt und werden, statt sich auf einzelne spezifisch definierte Schulfächer zu beschränken, in den drei Hauptdisziplinen Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und naturwissenschaftliche Kompetenz getestet. Das Zugrundelegen des gleichen Alters der Schüler statt der gleichen Jahrgangsstufe in der jeweiligen Schullaufbahn der untersuchten Länder sorgt dafür, dass einzig und allein die unterschiedlichen Schulsysteme der teilnehmenden Länder auf ihre Leistungsfähigkeit hin untersucht werden. Weiterhin objektivieren auch die drei Hauptdisziplinen die Studie zusätzlich. Dies ist wahrlich eine Besonderheit. Denn zum ersten Mal überhaupt ist es Ländern durch die PISA-Studie möglich, ihr Bildungssystem auf internationaler Ebene zu untersuchen und mithilfe der Ergebnisse Instrumente für eine optimierte globale Konkurrenzfähigkeit zu entwickeln. Darüber hinaus findet der PISA-Test seit nunmehr 2000 regelmäßig statt, wodurch eventuell getroffene Maßnahmen zur Verbesserung des Schulsystems kontinuierlich auf ihre Effizienz geprüft werden können.
Das Abschneiden Deutschlands beim ersten PISA-Test 2001 zog lange Zeit große Aufmerksamkeit der deutschen Medien auf sich, waren die Ergebnisse für den selbsternannten Wissensstandort Deutschland doch deutlich schlechter ausgefallen, als vorher angenommen. In gewisser Weise rüttelten die Ergebnisse doch arg am eigenen Selbstverständnis als Bildungsstandort und waren damit der Anstoß umfangreicher Diskussionen und der Beginn neuer Reformpläne, die sich, je nach politischem Lager, jedoch unterschiedlich akzentuierten. Als in allen drei Disziplinen am besten abschneidendes europäisches Land versucht sich besonders die linke Politik am finnischen Schulsystem zu orientieren, welches pikanterweise zu nicht unerheblichen Teilen auf dem System der DDR basiert und einen dementsprechend egalitären Ansatz verfolgt und auf der Gemeinschaftsschule basiert. Die konservative und rechte Opposition plädiert dagegen weiterhin für eine strenge Trennung der verschiedenen Schulformen und tritt dagegen eher für nuancierte Veränderungen des bereits bestehenden deutschen Schulsystems ein, um somit seine frühere Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Kritiker dieses Ansatzes legen vor allem die Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses des sozialen Hintergrunds der Schüler zugrunde, welcher laut PISA in Deutschland eine überdurchschnittlich ausgeprägte Rolle spielt. Das deutsche getrennte Schulsystem befördere diese Unterschiede nur und sei daher konsequent abzuschaffen.
Fotoquelle: Birgit Reitz-Hofmann – Fotolia.com
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Das Abschneiden Deutschlands beim ersten PISA-Test 2001 zog lange Zeit große Aufmerksamkeit der deutschen Medien auf sich, waren die Ergebnisse für den selbsternannten Wissensstandort Deutschland doch deutlich schlechter ausgefallen, als vorher angenommen. In gewisser Weise rüttelten die Ergebnisse doch arg am eigenen Selbstverständnis als Bildungsstandort und waren damit der Anstoß umfangreicher Diskussionen und der Beginn neuer Reformpläne, die sich, je nach politischem Lager, jedoch unterschiedlich akzentuierten. Als in allen drei Disziplinen am besten abschneidendes europäisches Land versucht sich besonders die linke Politik am finnischen Schulsystem zu orientieren, welches pikanterweise zu nicht unerheblichen Teilen auf dem System der DDR basiert und einen dementsprechend egalitären Ansatz verfolgt und auf der Gemeinschaftsschule basiert. Die konservative und rechte Opposition plädiert dagegen weiterhin für eine strenge Trennung der verschiedenen Schulformen und tritt dagegen eher für nuancierte Veränderungen des bereits bestehenden deutschen Schulsystems ein, um somit seine frühere Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Kritiker dieses Ansatzes legen vor allem die Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses des sozialen Hintergrunds der Schüler zugrunde, welcher laut PISA in Deutschland eine überdurchschnittlich ausgeprägte Rolle spielt. Das deutsche getrennte Schulsystem befördere diese Unterschiede nur und sei daher konsequent abzuschaffen.
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